Archive for Juli, 2009

Willeke Kliesow in Goma

Sonntag, Juli 12th, 2009

Meine Reise nach Goma (D.R. Kongo)

mit Michel Sanya Mutambala vom 4.12. bis 15.12.2008

von Willeke Kliesow

Liebe Leserinnen und Leser!

Für die, die mich nicht kennen: Ich bin seit zwei Jahren Mitglied im Verein „Sun for Children” (SfC), bin Trommelschülerin  von Michel Sanya und beruflich tätig beim „Evangelischen Entwicklungsdienst” (EED), insbesondere für die Region Zentralafrika.

 

k-012

Ich möchte euch mit den folgenden Eindrücken zu einer Reise in den Kongo, ein Land, in dem es sehr viel Armut aber gleichzeitig auch viel Reichtum gibt, ermutigen! Vieles wird einem erst dann verständlich, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat. Die Menschen im Kongo sind sehr herzlich und gastfreundlich – sie werden euch für euren Besuch dankbar sein!

Mit nur etwa einer Stunde Verspätung kamen wir nach acht Stunden Flugzeit und Umsteigen in Äthiopien auf dem Flughafen in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, an. Um mit dem Bus nach Gisenyi, der Stadt an der Grenze zur D.R. Kongo, zu kommen, mussten wir zuerst mit einem Taxi für zwanzig Dollar zum Busbahnhof fahren. Im Verhältnis dazu waren die fünf Dollar  für einen Sitzplatz im Bus sehr günstig. Immerhin sind es etwa 160 km von Kigali nach Gisenyi. Unser Gepäck wurde als ein extra Sitzplatz berechnet.

Kigali ist eine sehr saubere Stadt. Die Straßen sind gepflegt und überall werden neue Gebäude gebaut. Als wir ankamen, regnete es ein wenig. Die Landschaft in Ruanda ist hügelig, üppig grün und überall leuchtet die Erde in einem schönen warmen Rot.

k-0211 k-034

k-042

Leider fing es nach einer Stunde richtig zu regnen an. Viele Menschen, vor allem Frauen, sah ich die Straßen entlang flüchten, tropfnass in ihren „Pagnes” (Wickelröcken) oder unter großen, bunten Sonnenschirmen. Als wir in Gisenyi ankamen, goss es in Strömen und es war bereits dunkel geworden. Wir stiegen aus dem Bus aus. Überall waren riesengroße Pfützen. Wir kämpften uns durch die Menschenmenge bis zum Zollhäuschen vor. Im strömenden Regen drängelten sich vor dem Fenster viele Menschen, die von Ruanda in den Kongo wollten und ihre Personalien auf den Behördenkarten eintrugen. Die Sicherheitskräfte mit ihren Gewehren gaben mir kein großes Gefühl der Sicherheit. Die Männer sahen angestrengt und sehr müde aus. Zum Glück wurden unsere Koffer nicht kontrolliert. Wir wurden von Tom, einem Freund der Familie Mutambala, der im Ministerium arbeitet, abgeholt.

Es regnete immer  noch ununterbrochen.

Die Straßen in Goma  sind in einem schlechten Zustand. Es gibt nicht nur riesengroße Löcher, sie sind seit dem Ausbruch des Vulkans Nyiragongo im Januar 2002 auch übersät mit kleinen bis sehr großen Steinen. Der Sand ist fast schwarz.

k-05 k-061

Um ca. 20:00 Uhr kamen wir beim Haus von Michels Schwager an, wo wir übernachteten. Auf uns wartete ein leckeres Essen, bestehend aus Reis, Salat und „Sambasa” (kleine Fische  aus dem Tanganjikasee) in Öl gebraten und paniert,  das Emmery, der Koch und Hausmeister der Familie, zubereitet hatte.

Am nächsten Tag  (Freitag) schien morgens die Sonne und es war herrlich warm. Mama Nyota, die Mutter von Michel, kam als erste, um Michel und mich zu begrüßen.  Mama Nyota ist eine richtige afrikanische Mama, herzlich und äußerst charmant. Etwas verschämt versuchte sie ihre Zahnlücke zu verstecken: Ein Zahn ist ihr beim Zuckerrohressen abgebrochen

k-07

 

 

 

 

 

Als erstes machten wir einen kurzen Besuch in dem älteren Kinderheim und trafen dort Issa, Mosengo, David und Emmeraud. Das Haus ist sehr baufällig und das Grundstück verwahrlost, obwohl man erkennt, dass dort mal ein gut gepflegter Garten war. Die Kinder freuten sich sehr, „Papa” Michel wieder zu sehen! Dabei muss man wissen, dass „Papa” in diesem Fall, so wie auch „Mama” und „Oncle” (Onkel) als Ausdruck des Respektes benutzt wird.

k-08

 

 

 

 

 

 

 

 

 

k-09

 

Anschließend  spazierten wir durch Goma. Das Grundstück der Familie Mutambala liegt fast an der Grenze zu Ruanda und die Anwohner passten auf, dass wir sie nicht überschritten. Wir überquerten einen der großen Kreisverkehre der Stadt. Ich wollte Fotos machen, aber das wird hier nicht gern gesehen! Die Menschen glauben, dass die „Mzungu” (Weißen) die Bilder für viel Geld an die Presse verkaufen.

Außerdem  besteht die Gefahr, dass man einen der überall anwesenden Soldaten oder Polizisten fotografiert, was natürlich verboten ist. Michel zeigte mir, wie man versteckt Bilder machen kann, jedoch das versteckte Fotografieren ist sehr, sehr anstrengend.

k-10

 

 

Im Zentrum begegneten wir einem Freund von Michel, der im „Kivu Market”, einem großen Supermarkt, arbeitet. Dort gibt es zu kaufen, was man sich wünscht – wenn man es bezahlen kann -, von sämtlichen Gemüsesorten, Frischfleisch, Brot und Kuchen, Kosmetikartikeln, Campingstühlen und -tischen bis hin zu Radios, Fernsehern, Tiefkühltruhen etc. (überwiegend aus chinesischer Produktion) und jetzt im Dezember Plastik-Weihnachtsbäumen und Weihnachtsschmuck aller Art.

k-111

k-12

Anschließend  spazierten wir zum „Lac Kivu” (Kivusee). Wir sehen viele Frauen mit schweren Paketen auf dem Kopf oder dem Rücken. Männer schieben auf „Chukudus” (Tretroller aus Holz) große Mengen an Kanistern mit Wasser die Hügel hinauf.

k-13

k-14

 

 

k-15

Auch mit einem „Pousse-Pousse”  (Handkarren) kann man Material transportieren!

k-16

Auf dem Weg zum Hafen kamen wir an  „Heal Africa”, dem größten Hilfszentrum in Goma, das vom EED finanziell gefördert wird, vorbei. In diesem Krankenhaus gibt es Hilfe für die vielen  in dem langen Bürgerkrieg auf Grund von Vergewaltigungen und Folter traumatisierten Frauen und Mädchen.

k-17

Im Hafen liegen mehrere Boote, mit denen man nach Bukavu an der Nordspitze des Tanganjikasees fahren kann. Eine Fahrt über knapp zwei Stunden mit dem Schnellboot kostet fünfzig Dollar. Man kann aber auch für fünf Dollar fahren, dann ist man allerdings den ganzen Tag unterwegs.

k-18

k-19

Leider fing es wieder an zu regnen (in Zen-tralafrika ist vom November bis März Regenzeit) und wir fuhren mit den „Mototaxis”, wie sie hier genannt werden, wieder zum Haus von Michels Schwager. Ich kann nicht beschreiben, was mir während der Fahrt durch den Kopf ging. Dabei muss man sich den schlechten Straßenzustand vorstellen!Als Fahrgast auf dem Motorrad in Goma heißt es: Unbedingt Vertrauen in seinen Chauffeur haben und immer locker bleiben!!

Nach dem Mittagessen fuhren wir endlich mit dem  Mototaxi zum neuen Kinderheim, das sich, ca. 8 km entfernt, am anderen Ende von Goma befindet. Im Heim wurden wir von Papa Kitumaini, Papa Kausa und Mama Kavira herzlich empfangen. Die Kinder freuten sich sehr, Papa Michel wieder zu sehen und  freundeten sich schnell mit mir an!

k-20

Das Haus ist ein wenig klein; es gibt jeweils ein Schlafzimmer für die Mädchen und die Jungen, eine Dusche und WC, ein kleines Wohnzimmer, ein Ess- bzw. Spiel- und Arbeitszimmer, eine  Küche und einen kleinen Vorratsraum unter dem Treppenaufgang. Im Obergeschoss gibt es ein Badezimmer und zwei weitere Schlafräume, in denen wir übernachtet haben. Zum Haus gehören ein kleiner Garten, in dem Mama Kavira mit den Kindern ein wenig Obst und Gemüse angepflanzt hat, und ein Spielbereich. Es sind zurzeit acht Kinder dort, sechs Mädchen und zwei Jungen. Ich fühlte mich in dem Heim gleich sehr wohl. Es herrscht eine harmonische Atmosphäre.

k-21 k-22

Leider mussten wir noch mal zurück, um unser Gepäck zu holen und so machten wir wieder, dieses Mal im Dunkeln, eine wilde Motorradfahrt  über die steinigen Straßen durch Schlaglöcher und große Pfützen.

Am Samstag hatten wir eine Verabredung mit Sébathan, dem Bruder von Michel, um die offenen Fragen bezüglich des Vereins und der beiden Kinderheime zu klären.

k-231

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Auto zurück zum neuen Kinderheim und ich konnte mir diesmal „in Ruhe” ein Bild von der Stadt machen: Breite, kaputte Straßen, links und rechts große Pfützen, dazwischen Frauen mit ihren auf dem Boden ausge-breiteten Verkaufs-  waren und Häuser, die notdürftig aus Brettern zusammengezimmert sind, mit Dächern aus Wellblech.

 

 

k-242

k-25

k-26

 

Auf dem Weg passierten wir den Campus der Universität von Goma, der „ULPGL” (Université Libre du Pays des Grands Lacs).

k-27

Während Papa Kitumaini bei den Kindern blieb, brachen wir zu einem Großeinkauf auf dem Markt auf. Ich sah zu, wie Mama Kavira die eingekaufte Ware in eine alte „Pagne” (Wickelrock) einwickelte, wobei sie zwei Enden zusammenband. Anschließend hob sie das Riesenpaket seitlich auf ihren Rücken und knotete die gegenüberliegenden Enden auf der Stirn zusammen. Beim nächsten Einkauf machte sie es wieder auf und legte weitere Ware darauf. Bei manchen Frauen sieht man sogar noch ein Kind oben auf dem Einkaufspaket sitzen!

k-28

 

k-29

k-30

Am Sonntag gingen wir in die Kirche der Pfingstgemeinde von Papa Kitumaini. Unsere Kinder waren in dunkelblaue Hosen oder Röcke und weiße Hemden oder Blusen (ihre Schuluniform) gekleidet.

k-31

k-32

Der Gottesdienst war einfach überwältigend. Drei Chöre wechselten sich mit ihrem schönen Gesang ab, begleitet von einem Trommler und mehreren Gitarrenspielern. Wir wurden der Gemeinde vorgestellt und hatten die Ehre, Sakadi, einen Rhythmus aus dem Kongo, zu trommeln. Als die Menschen den Rhythmus erkannten, applaudierten sie und feuerten uns begeistert an. Ich war dadurch sehr bewegt…

Diese Momente werden mir immer in Erinnerung bleiben.

Der Gottesdienst hat für die Menschen eine große gesellschaftliche Bedeutung. Dort haben sie die Möglichkeit, vor allen Gemeindemitgliedern ihre traurigen, schlimmen aber auch erfreulichen Erlebnisse zu schildern. Oft passiert es, dass eine Person in einen Trancezustand verfällt, wobei sie von weiteren Mitgliedern schützend festgehalten wird. Für die Teilnahme an einem Gottesdienst muss man allerdings viel Zeit mitbringen; wir hatten Glück, dass unser Gottesdienst schon nach etwa 3 Stunden vorbei war.

 

Anschließend kauften wir uns etwas Obst und einen Kanister Limo und machten ein Picknick am Kivusee.Rundherum war der Tag sehr gelungen!

bild1

Am Montag verbrachte ich viel Zeit mit den Kindern. Wir machten Seifenblasen und spielten Gummi-Twist, Seilhüpfen und Fußball (aus Lumpen). Jeanne und Rebecca hatten vor dem Haus mit Kreide ein Hüpfspiel gezeichnet. Es machte großen Spaß, mit den Kindern zu spielen und ihre große Kreativität zu beobachten!

k-34

k-35

   

k-36

k-37

 

k-38

 

 

k-39

 

Von dem Buch mit Bildern aus dem täglichen Leben in Europa mit deutschem und französischem Text waren alle begeistert! So konnten die Kinder ein paar deutsche Wörter lernen und ich gleichzeitig „Kingwana” (eine Sprache, die mit Swahili verwandt ist).

Mama Kavira ist eine gute Köchin. Ein paar Mal durfte ich ihr beim Kochen helfen. Ich frittierte Kartoffeln und Fisch und machte eine schöne traditionelle Soße dazu. Das war auch ein echtes Festessen, da das Geld normalerweise nur für eine große Schüssel Reis und eine Soße aus unterschiedlichem Gemüse reicht. Einmal gab es zum Nachtisch „Prune”. Das sind keine Pflaumen wie bei uns. Diese Früchte sind leuchtend rot und haben einen weichen Kern wie bei einem Granatapfel.    Zum Frühstück gibt es meistens „Bouille”, ein Brei aus Maismehl. Mit viel Zucker schmeckt er richtig lecker!

k-40

k-41

Am Dienstag besuchten wir die Schule der Heimkinder. Der Schulkomplex „Kyeshero” mit etwa 1000 Kindern besteht aus mehreren flachen, länglichen Gebäuden und einem gepflegten Schulhof. Die Größe der Schulklassen variiert zwischen 50 und 80 Schülern.

Michel hatte ein langes Gespräch mit dem Konrektor. Leider war gerade Prüfungszeit, sodass die Klassenlehrer nicht viel Zeit für uns hatten und wir uns nicht lange in den Klassen aufhalten konnten. Ich übergab dem Konrektor die Bilder, Zeichnungen und Briefe der Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 c der Gesamtschule Troisdorf.

k-42

k-431

k-44

Wieder daheim – zurück aus der Schule

An dem Tag hatten wir endlich die Möglichkeit, unsere Akkus gegen ein kleines Entgelt in der Universität aufzuladen, denn Strom gibt es im Kinderheim nicht.

Ein großes Problem ist auch das Wasser: es sind zwar Wasserleitungen gelegt, jedoch ist der Wasserdruck so gering, dass nur selten Wasser fließt. Mama Kavira stellt deshalb jeden Tag einen großen Kübel unter den geöffneten Wasserhahn, so dass sich dort das Wasser, das sie für das Kochen und die Wäsche hernimmt, sammeln kann. Wenn nicht genügend da ist, muss sie morgens einen weiten Weg zum Brunnen gehen.

Das Gelände der Universität ist sehr groß und parkähnlich angelegt mit gepflegten Gebäuden. Vieles ist dort mit finanzieller Unterstützung des „Evangelischen Entwicklungsdienstes” (EED) gebaut worden. Auf der Rückfahrt zum Zentrum fuhren wir an dem „Pole Institut” und dem Hauptsitz der „CBCA” vorbei, deren Projekte (u.a. Lehrerausbildung, Berufsbildung und Gesundheitsarbeit) ebenfalls durch den EED finanziert werden.

Das Krankenhaus „Heal Africa” habe ich bereits erwähnt.

Am Mittwoch wurde uns der Besuch des „Chef de Quartier” (Chef vom Viertel) und des „Chef d’Avenue” (Chef der Allee) angekündigt – wir sollten jeweils fünf Dollar bezahlen (Aufenthaltsgenehmigungsgeld – wie eine Kurtaxe bei uns).

 

 

An diesem Tag wollten wir Trommeln für die Kinder kaufen. Wir fuhren an der  „Cathédrale St. Joseph” vorbei, bzw. den Überresten der Kathedrale, die bei dem Vulkanausbruch fast völlig zerstört wurde. Es hatte geregnet und der Himmel war grau, so dass die halb wiederaufgebaute Ruine einen noch tristeren Eindruck auf mich machte.

 

 

 

k-452

 

k-462

Trommeln haben wir jedoch nicht gekauft, da die Preise zu einer abnormalen Höhe anstiegen, als die Menschen mich – die „Mzungu” – sahen! Außerdem waren die Trommeln nicht besonders attraktiv. Die Trommelkörper sind vielfach große, angerostete Blechdosen…

     

 

 

Anschließend besuchten wir die beiden Kulturzentren in der Stadt. Dort können Kinder und Jugendliche kostenfrei das Spielen von verschiedenen Musikinstrumenten und das Theaterspiel erlernen. Auch werden Kurse in Schnitzen, Zeichnen und Malen mit Farben oder Sand auf Papier und Holz angeboten. Jeden Samstag machen Musiker eine Jam-Session, wobei der Eintritt für die Kinder und Jugendlichen frei ist. Michel würde gern die Künstler unterstützen und denkt daran, eine „Kilalo”, d.h. Brücke zwischen dem Kongo und Deutschland zu bauen.

 

 

k-47

k-48

Am Donnerstag fuhren wir mit Pasteur Christian Malemba, und Patrick Mundeke, Freunden von Michel, zu einem Flüchtlingslager in Esco kurz vor der Stadt. Wir durchquerten große Bananenplantagen und in der Ferne sah ich die schöne, weite Landschaft des Kongo, hügelig und satt grün.

k-49

k-50

Umso größer war der Schock, als wir im Lager eintrafen… Dicht an dicht „hausen” dort in 800 Hütten aus Bambuszweigen und getrockneten Bananenblättern, notdürftig mit Plastikplanen oder -tüten abgedeckt, ca. 2500 Menschen. Sie schlafen auf dem nackten Boden. Das Wasser zum Trinken und Kochen sammeln sie aus den Pfützen. Die Feuerstelle besteht aus drei Konservendosen – dazwischen liegen ein paar Holzkohlen.

k-51

k-52

Hier gibt es nichts zum Lachen…. Die Menschen sind sehr gläubig. Sie sagen: „Gott prüft uns. Und wenn wir die Prüfung bestanden haben, wird alles gut!”

Nur ihr Glaube hält sie am Leben.

Am nächsten Tag (Freitag) kam Brigitte, Michels Schwester, an. Sie lebt mit ihrer Familie in Nairobi (Kenia).

 

Brigitte engagiert sich beruflich und privat für das Wohl der Frauen im Kongo und in Kenia und unterstützt Michel in seiner Arbeit bei “Sun for Children”. Sie plant u.a. Fortbildungen für das Personal des Zentrums SfC und hat die Idee, dass die Kindern im Heim während der langen Urlaubszeit im Sommer jeden Tag ein paar Stunden zusätzlichen Unterricht bekommen, damit sie für das nächste Schuljahr gut vorbereitet sind.

 

k-53

k-54

Am Samstag hatte ich einen freien Vormittag, den ich mit Mama Nyota verbrachte. Ich besuchte sie in ihrem Haus auf dem Grundstück der Familie Mutambala. Sie hat dort einen herrlichen Nutzgarten angelegt. Auf dem gleichen Grundstück wohnt auch Sébathan, der Bruder von Michel.

 

Anschließend gingen wir zum Markt, um Stoff zu kaufen, aus dem Kostüme für unsere Trommelgruppe genäht werden sollen.

k-55

       

Am Nachmittag fuhren wir zur Jam-Session im Kulturzentrum „Djole Africa”. Es traten zwei Rapkünstler auf und begeisterten das junge Publikum (auch uns!!). Gern hätte ich eine CD von dem Sänger gekauft, jedoch hatte er an dem Tag leider keine dabei. Auch besuchten wir eine Buchhandlung in Goma. Ich war überrascht von der großen Bücher- und Landkartenauswahl!

k-56

Und dann war es schon Sonntag, der Tag vor meiner Abreise…. Erst an dem Tag hatte ich die Zeit, den Kindern die kleinen Geschenke, die ich mitgebracht hatte, und Papa Kausa Geld für das Heim zu geben.

k-57

k-58

Für die Geldspenden von meinen Bekannten und den Schülerinnen und Schülern der Klasse 7 c der Gesamtschule Troisdorf hatten wir bereits Lebensmittel und Holzkohle gekauft.

k-59

k-60

Nun war Zeit zum Abschied zu nehmen ….

Dies fiel mir sehr schwer – Jeanne, Moussa, Vive, Dorika, Rosette, Shekina, Rebecca und Daniela sind mir sehr ans Herz gewachsen und Mama Kavira ist für mich in der kurzen Zeit zu einer Freundin geworden. Sie ist eine tolle Mama, die Tag und Nacht für die Kinder da ist!

k-61

Papa Kausa ist ebenfalls ein Gewinn für das Zentrum. Er strahlt eine große Ruhe aus und hat sehr viel Geduld, was besonders wichtig ist bei seinem Unterricht mit den Heimkindern. Außerdem ist er ein großer Künstler. Er zeigte uns seine Sammlung von Klappkarten, Zeichnungen, Aquarellen, Sand- und Ölbildern. Gerade arbeitet Papa Kausa an einem Bilderbuch, das er mit wunderschönen handgeschriebenen, schwungvollen Texten ausschmückt.

k-62

k-63

Michel hat eine Auswahl seiner Bilder zum Verkauf in unserem „Afroshop” mitgebracht. Mit dem eingenommenen Geld kann der Künstler unterstützt und gleichzeitig ein Teil der Ausgaben für das Kinderheim finanziert werden.

Am Abend fuhren wir zum älteren Kinderheim. Patrick Mundeke und ein Polizist begleiteten uns. Die Kinder kamen uns entgegen, jedoch waren sie anders als bei unserem ersten Besuch. Sie wirkten zurückhaltend und müde. Dies fiel uns natürlich besonders auf, nachdem wir aus dem neuen Zentrum kamen, in dem Mama Kavira die Kinder liebevoll umsorgt.

Gern hätte ich den Kindern im älteren Heim kleine Geschenke gemacht, aber Sébathan hätte diese möglicherweise wieder eingesammelt.

k-64

Nach einer Weile wurden sie wieder zutraulicher. Mosengo, Issa, Marcellin, David, Kennedy und Teddy erzählten Michel, was in letzter Zeit passiert war. Sie waren sehr hungrig und Michel kaufte ihnen einen Kanister „Bouille”, Zucker und Brot.Die Kinder ließen es sich gut schmecken!! Es war rührend zu sehen, wie sie darauf achteten, dass jeder genug bekam.

Währenddessen verteilte Michel die Briefe der Paten und las sie zusammen mit Patrick vor. „Papa Michel” hatte das Vertrauen der Kinder zurück gewonnen!

k-65

Nie werde ich das Bild der Kinder in diesem heruntergekommenen Haus vergessen.

Der Tag meiner Abreise war gekommen. Abschied nehmen fällt mir, wie ich bereits geschrieben habe, immer schwer. Aber dieses Mal ganz besonders, da ich nicht weiß, wann ich wieder in den Kongo zurückgehen kann.

Es war schon spät. An der Grenze verabschiedete ich mich von Michel und Patrick und fuhr mit einem kleinen Bus nach Gisenyi. Von dort sollte der Bus nach Kigali abfahren. Dieser war noch komplett leer und füllte sich erst langsam und nach einer Weile fing ich an, mir Gedanken zu machen, ob ich rechtzeitig am Flughafen ankommen würde. Schließlich mussten wir noch ca. 160 km fahren und hatten dafür auf der Hinfahrt mehr als vier Stunden gebraucht…. Endlich fuhr der Bus los. Als er dann nach zwei Stunden auch noch für eine Pause anhielt, war es mit meiner Ruhe vorbei! Nachdem ich dem Busfahrer meine Sorge begreiflich gemacht hatte, mahnte er alle Passagiere, schnellsten einzusteigen. Einige hatten die plötzliche Abfahrt nicht sofort mitbekommen und sprangen in letzter Minute in den bereits fahrenden Bus… Mir war die Situation peinlich, aber keiner im Bus war böse. Alle lachten und machten mir Mut! Der Busfahrer bestellte noch mit seinem Handy ein Taxi, das mich beim Eintreffen am Busbahnhof in Kigali weiter zum Flughafen bringen sollte.

k-66

k-67

   

Noch ein letztes Mal konzentriere ich mich auf die wunderschöne Landschaft in Ruanda, das Land der Tausend Hügel, wie es genannt wird.

k-68

Ich bewundere die vielen Margeriten, die gelben, weißen, roten und violetten, und die goldgelben und weißen Trompetenblüten, die Felder, bebaut mit Karotten, Kohl, Ananas, Bohnen, Mais, Zuckerrohr und vielem mehr; ich sehe viele  fleißige Arbeiter auf den Feldern und beim Straßenbau;  die leuchtend rote Erde und die Häuser aus selbst hergestellten roten Backsteinen…und so vergesse ich die Zeit…

Als ich endlich am Flughafen ankomme, fünf Minuten vor dem Abflug, ist das Flugzeug noch da und die Zollbeamten winken mir fröhlich zu.  
     

k-691

In Afrika heißt es:

Immer die Ruhe bewahren. Meistens geht es gut – wenn nicht – war es eben so vorgesehen!

 

 

Weitere Berichte über meine Afrika-Reisen auf http://www.kliesow.de